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Cookies – Selbstverwaltung und Kontrolle

(Lesedauer: ca. 2 min)

Der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ist es nicht gelungen, die anderen Mitgliedsstaaten auf eine gemeinsame Linie etwa zum Setzen von Cookies zu bewegen.

https://www.heise.de/news/EU-Rat-Bundesregierung-gibt-bei-der-E-Privacy-Verordnung-vorerst-auf-4967461.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag

Damit kommt die europaweite Neufassung von Datenschutzrichtlinien in der seit Langem heftig umstrittenen E-Privacy-Verordnung weiterhin nicht vom Fleck. Es scheitert wohl u.a. daran, dass man Unternehmen nicht die Möglichkeit nehmen will, aus »berechtigtem Interesse« sogenannte Tracking-Cookies im Browser des Seitenbesuchers zu hinterlassen, die dazu dienen, dessen Surfverhalten zu verfolgen.

Berechtigtes Interesse ist immer dann gegeben, wenn ein Unternehmen das Surfverhalten seiner Seitenversucher auch über Domaingrenzen hinweg tracken, also Daten darüber erheben und auswerten will, was ein Besucher im Web so alles treibt.

Es besteht also seitens der EU-Politik ein gesteigertes Interesse, dass das so bleibt, man will hier nicht einschränkendes Recht formulieren.

Nun, was die einen nicht wollen, können die anderen…

Man nutze einfach einen Webbrowser wie Firefox, der selbst umfangreiche Möglichkeiten bietet, die Cookie-Wilderei einer datengierigen Wirtschaft zu kontrollieren und einzuhegen. Dazu installiere man ergänzend geeignete Erweiterungen wie z.B. Cookie AutoDelete, die diese Möglichkeiten noch vervollständigen und überschaubar machen.

Damit realisiere man auf den eigenen webfähigen Geräten (auch z.B. Smartphones und Tablets) eine rigorose Cookie-Politik, die lediglich die Cookies erlaubt, die für bestimmte Abläufe auf Webseiten wie z.B. Login-Verfahren unbedingt notwendig sind. Alle anderen Cookies werden entweder gleich zu Beginn des Seitenbesuchs blockiert oder spätestens beim Verlassen einer Seite gelöscht.

Zusätzlich kann man natürlich mittels weiterer Browser-Erweiterungen wie den seit langem erprobten uMatrix und/oder uBlock Origin zusätzliche Schritte unternehmen, Nutzer-Tracking über andere Methoden als Cookies zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Und dabei gleich noch die ganze – fast immer ebenfalls nach Kräften trackende – Reklame-Kloake zu beseitigen, die einem heute auf kommerziellen Webseiten entgegengemüllt wird.

Für all das und noch viel mehr zum Schutz persönlicher Daten im großen Netz sei allen Lesern unbedingt die regelmäßige Lektüre im Blog von Mike Kuketz empfohlen.

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Die Rechenkunst der Berliner Polizeipräsidentin

(Lesedauer: ca. 2 min)

Die Berliner Polizeiführung will nach Aussage ihrer Präsidentin Barbara Slowik intensiv gegen rechtsextreme Kolleginnen und Kollegen vorgehen:

»Wir führen diesbezüglich aktuell knapp 40 Disziplinarverfahren. Die Hälfte dieser Fälle führen wir mit dem Ziel, die Betroffenen aus dem Dienst zu entlassen«, sagte sie der Zeitung Die Welt.

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/polizei-berlin-rechtsextreme-slowik-100.html

Von den 26.000 Beschäftigten der Berliner Polizei stünden aber

99,9 Prozent fest auf dem Boden des Grundgesetzes

https://www.zdf.de/nachrichten/politik/polizei-berlin-rechtsextreme-slowik-100.html

Rechnen wir mal nach:

0,1 Prozent stehen also behauptetermaßen nicht fest auf dem Boden des Grundgesetz. Das sind bei 26.000 Polizisten ganze 26.

Warum führt man dann »diesbezüglich« gegen knapp 40 Polizisten Disziplinarverfahren, von denen ja 14 unverdächtig sein müssten? (40 – 26 = 14)

Ich fürchte vielmehr, dass es eben nicht nur knapp 40 Rechtsextremismus-Verdächtige sind (und schon gar nicht nur 26), gegen die man auch disziplinarisch vorgeht, sondern 40 + X, dessen Dimension man schlicht nicht kennt – aber ich vermute, dass X mindestens höher dreistellig ist.

Im Übrigen ist es so ein Klassiker bei der Verwendung von Fallzahlen, dass man mindestens unterschwellig über die Art der Argumentation (oder der Zahlenspiele) suggeriert, dass die Zahl der aufgeklärten Fälle deckungsgleich sei mit der (unbekannten) Zahl der Fälle insgesamt. Das kennt man vom Doping, z.B. bei der Tour de France, wo auch oft in der Nachricht von entdeckten Dopingfällen mitschwang, dass man vorgeblich alle Fälle aufgedeckt hätte.

Sollte ich wohl lieber von einem allzu leicht zu durchschauenden Taschenspielertrick zugunsten der unbedingten Aufrechterhaltung des Einzeltätermythos in Sachen Rechtsextremisten in der Polizei sprechen?

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Lockdown,konsequent gedacht

(Lesedauer: ca. 2 min)

Die Deutsche Ministerpräsidentenregierung unter Vorsitz der Bundeskanzlerin hat den nächsten »Lockdown« des Alltagslebens für den November beschlossen. Um die Kontaktmöglichkeiten der Bevölkerung so weit wie möglich »herunterzufahren«, wird der Veranstaltungs-, der Gastronomie- und der Freizeitbetrieb weitestgehend eingestellt. Damit soll die Weiterverbreitung des Corona-Virus wirkungsvoll gebrochen werden. Die Kontaktmöglichkeiten der Menschen werden stark eingeschränkt:

Abstand halten und Kontakte verringern – das gehört zu den wichtigsten Maßnahmen. Die Bürgerinnen und Bürger werden angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. In der Öffentlichkeit dürfen sich nur noch Angehörige zweier Haushalte treffen – maximal zehn Personen. Dies gilt verbindlich und Verstöße gegen diese Kontaktbeschränkungen werden entsprechend von den Ordnungsbehörden sanktioniert. Feiern auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen und privaten Einrichtungen werden als „inakzeptabel“ bezeichnet.

https://www.tagesschau.de/inland/corona-regeln-november-101.html

Wir alle sollten das – freiwillig – konsequent, aber wirklich konsequent umsetzen. Wir bleiben wirklich weitestgehend kontaktfrei und meiden alle Situationen, wo wir mehr als absolut nötig in zufälligen Kontakt mit fremden Personen geraten können. Das heißt, auch Einkäufe im Einzelhandel schränken wir auf das unbedingt Notwendige ein: Lebensmittel und Artikel des unmittelbaren persönlichen Bedarfs.

Einkaufszentren und -Meilen, Kaufhäuser, den Einzelhandel von Konsumgütern des nicht unmittelbaren Bedarfs meiden wir konsequent.

Kleidung, Elektroartikel, Spielsachen u.a.m. kaufen wir online ein und lassen sie uns liefern.

Darüber hinaus meiden wir, wo immer möglich, öffentliche Verkehrsmittel und nutzen eigene Füße, Fahrräder, Motorroller, Motorräder und Autos.

Das mag gewisse Folgen nach sich ziehen, aber Konsequenz in der Eindämmung des Virus ist nun einmal dringend angezeigt. Da sollten wir keine fragwürdigen halben Sachen machen.

Der von unserer Ministerpräsidentenregierung eingeleitete »Lockdown light« ist nicht konsequent und wird sein Ziel nicht in erforderlichem Ausmaß und Zeit erreichen.

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Alles ein Traum

(Lesedauer: ca. 2 min)

Ab und zu fahre ich mit dem Motorrad durch die westlichen Frankfurter Vororte, in und um Sossenheim habe ich die ersten dreißig Jahre meines Lebens – damit auch meine Kindheit und Jugend – verbracht. Das sind kleine Nostalgie-Runden und ich lasse dabei gerne Ereignisse dieser Zeit an diesen Orten Revue passieren. Natürlich sehe ich auch gerne, wie sich mein damaliger Lebensraum inzwischen verändert hat und sich heute weiter verändert. Ich habe mich ja auch verändert…

Heute bin ich wieder einmal durch meine alte Wohn-Siedlung gefahren, eine typische Siedlung des Sozialen Wohnungsbaus vom Anfang der Sechzigerjahre. Da passierte es wieder einmal, dass mir ein im ersten Moment sehr seltsamer Gedanke kam:

Was, wenn alles seit dieser früheren Zeit ein langer, lebhafter, detailreicher und intensiver Traum war?

Ich wache auf, stehe auf, ziehe den Rolladen hoch – es ist kurz vor halb 8 Uhr morgens, Samstag. Ich bin 16 oder 17 Jahre jung. Ich schaue kurz in die Küche, meine Mutter bereitet den Frühstückstisch vor. „Morsche!“ „Morsche, mein Schatz!“

Mein Vater verlässt das Bad. „Morsche!“ „Morsche“ antworte ich. „Wie sieht’s aus? Fahr’n wir nachher mal rüber zu Tante Hilde und Onkel Heinz? Hast du Lust?“ „Joahh…“ „Gehst du vorher mit Mutti einkaufen, ich muss noch was am Auto machen…“ „Mach‘ ich!“ Mutti: „Was wollt ihr heute Mittag essen? Wir machen nur was Kleines, denkt dran, heute Abend sind wir beim Onkel Fritz!“

Nach dem Frühstück gehe ich mit meiner Mutter einkaufen, später fahre ich mit meinem Vater zu meiner Tante Hilde und Onkel Heinz, dem älteren Bruder meines Vaters. Ein Samstag-vormittäglicher Kurzbesuch, wie wir es öfters bei einigen Verwandten machen.

Später, am frühen Nachmittag werde ich noch mit meinem Moped zu einem Freund in die andere Siedlung… …

Nein, kein Traum.

Die Realität ist hier und jetzt. Dieser fiktive Samstagmorgen entspringt der Erinnerung. So hat es sich oft zugetragen, das war ein Teil meiner Jugend, ich erinnere mich daran in allen Farben und Facetten, mit Ton, mit Glanz und Sonnenschein. Eine doch sehr weitgehend glückliche Jugend in einer wunderbaren Familie in der späten Mitte der Siebzigerjahre.

Ich mag diese Erinnerungen, natürlich und vor allem an die Menschen, meine Familie und Verwandten in dieser Zeit meiner Jugend – die es heute nicht mehr gibt.

Ich mag aber auch die Distanz der zahlreichen Jahre, die seitdem ins Land und in mein Leben gegangen sind. Ich lebe längst nicht mehr in Sossenheim, ziemlich genau die Hälfte meines Lebens lebe ich dort nicht mehr – und das ist schön so. Ich würde heute auch dort nicht mehr leben wollen.

Ich bin sicher, das muss so sein.

Aber ich würde es spannend finden, mit einer kleinen Zeitmaschine einmal nur für einen Tag zurückreisen zu können. Zum Beispiel zu diesem Samstag, wie ich ihn eben beschrieben habe…