Streaming!

Heute aus aktuellem Anlass mal ein Blick zurück in alte Zeiten, wo vieles anders war als heute, aber deswegen nicht besser…

Streaming – anno dazumal

Begonnen hatte sie irgendwann in den späten Sechzigerjahren: meine Laufbahn als Musikhörer. In unserem Haushalt gab es frühzeitig schon ein Röhrenradio, mit schwungradartigem Sender-Wahlrad und beleuchteter Skala der UKW-MW-LW-KW-Bereiche.

Ich glaube mich zu erinnern, dass mein Vater um das alte Gerät herum ein neues Holzgehäuse gezimmert hatte, das etwas moderner und kantiger aussah als die rundliche Kiste, in der sich die Technik ursprünglich befunden hatte.

In der Küche hatten wir schon ein damals zeitgemäßes Kofferradio in Transistor-Bauweise. Ich glaube, das hatte gar keinen Ein-/Ausschalter, denn aus diesem Ding dudelte immer »Küchenfunk«, d.h. Nachrichten, Reklame und Dudelmusik, die es nur aus Radios gab (außerhalb von Radios gab es diese Musik gar nicht). Das nannte sich Hessischer Rundfunk, und dort, in einer der Werkstätten, arbeitete mein Vater.

Einen Fernseher hatten wir auch schon, aber das ist hier nicht das Thema. Ob wir damals schon einen Plattenspieler hatten, weiß ich nicht mehr.

Ich jedenfalls war stolzer Besitzer eines kleinen Taschen-Transistorradios, so eines mit abnehmbarer halb-weicher Kunstlederhülle darum. Also ein »Outdoor«-Gerät, mit kleinem Ohrhörer dazu. Diesen eingestöpselt, krächzte das Gerätchen nicht mehr draußen herum, sondern nur noch in ein Ohr. So war es halt…

Ich hörte seinerzeit also Radio, was genau genommen schon so etwas wie Streaming war, mit freier Auswahl des Anbieters (Sender) – das Programm allerdings war nicht wahlfrei.

Bald sollten bessere Zeiten anbrechen…

Es dreht sich was…

Es muss etwa im ersten Drittel der Siebzigerjahre gewesen sein, dass der erste Plattenspieler angeschafft wurde. Es muss wohl 1973 gewesen sein, der Dual 1218 war ein neues Modell, ein richtig modernes Gerät, das für reichlich Faszination bei Papa und mir sorgte. Mutti war nicht so technikaffin. Dazu ein moderner HiFi-Receiver von ITT (Schaub-Lorenz), das Modell Stereo 3500 HiFi Electronic. Dazu den passenden Cassettenrecorder.

Damit stahlen wir der gesamten Verwandtschaft die Show, denn dort tummelten sich noch klobige Musiktruhen oder -schränke in den Wohnzimmern.

Etwa ein Jahr zuvor hatte ich meinen ersten Cassettenrecorder bekommen, ein etwas merkwürdig mit Drehschalter zu bedienendes Ding, mit dem ich aber viel Freude hatte. Die Hitparade aus dem Radio aufzunehmen, hieß, das kleine Mikrofon auf seiner kleinen Stütze geschickt vor dem Lautsprecher des Kofferradios zu platzieren und rechtzeitig die Aufnahmetasten-/Schalterkombi zu betätigen. Hoffen und bangen, dass jetzt bloß keine Nebengeräusche…

Übrigens, diese unsäglichen Banausen, diese hirnlosen Schwachmaten von Moderatoren, was taten die?

  1. Sie quasselten bedeutungsfreies Moderatorengeschwätz, und hörten damit keine Picosekunde vor dem Einsetzen der Musik auf. Man hatte nie eine Chance, den exakten Anfang eines Musikstückes zu erwischen, ohne dass unmittelbar davor noch irgendein abschließendes »…kquörck« aus dem unmaßgeblichen Maule des Schwätzers drang.
  2. Kurz vor dem echten Ende des Stückes blendete der amtierende Moderatoren-Kretin sehr zügig aus, um sofort weiter sein unmaßgebliches Gewäsch zum Besten zu geben. Stücke endeten also grundsätzlich mit dem ausklingenden Musiksignal und einem unvermittelt einsetzenden unbeherrschten »DAS WAR BLAHBLAHBLAH…«

Was habe ich das gehasst. Aber so war es eben.

Jedenfalls wurde es mit dem »Tape-Deck« meiner Eltern besser. Das war elektronisch verbunden und hatte zusätzlich eine Pausetaste, mit der man exakter den optimalen Start- und Stopppunkt der Aufnahme erwischen konnte.

Zweierlei Dreh-Ware

So hatten wir nun Schallplatten, Singles wie LPs, und Compact-Cassetten. Dazu ein Küchenradio mit integriertem Kassettenteil, das sich als idealer Campingurlaub-Begleiter erwies. In meinem Zimmer stand irgendwann um 1975 meine erste eigene HiFi-Anlage, eine ausladende Kompaktanlage mit Receiverteil und Plattenspieler.

So konnte mein Vater im Wohnzimmer Platten hören, ich in meinem Zimmer, beide Türen zu, und bei Mutti dudelte in der Küche Küchenfunk. Musik für die ganze Familie, was war die Welt schön.

Um 1980 ersetzte ich die Kompaktanlage durch Einzelkomponenten: ein kleiner Marantz-Verstärker, ein Technics-Tapedeck, ein JVC-Tuner und ein Dual-Direktantriebs-Plattenspieler. Kompaktlautsprecher von Revox kamen dazu, das war schon nicht so schlecht. 1983 dann hieß es Dual raus, Thorens TD 147 rein. Fortschritt eben.

Zum Zeitpunkt ihrer größten Blüte umfasste meine LP-Sammlung knapp 500 Titel, soweit ich mich erinnere…

Die neue Zeit: Silberglanz

Im Herbst 1985 erwarb ich meinen ersten CD-Player, die Compact Disc war rund ein Jahr zuvor in breiterem Angebot auf dem Markt erschienen. Sie war anfangs teuer, aber sie klang gut. Und sie ließ all die unangenehmen oder gar unvorteilhaften Eigenschaften der LP vergessen. Eigentlich also alle Eigenschaften der LP.

Immer häufiger wurde Musik digital aufgenommen und produziert, das war dem neuen Trägermedium gemäß. Die LP war für mich recht schnell vergessen, die Sammlung sukzessive verschenkt bis auf wenige Titel, die ich nicht identisch oder adäquat per CD ersetzen konnte. Meine persönliche Übergangszeit von der LP zur CD zog sich nur über vielleicht ein Jahr hin. Von da an nahm meine CD-Sammlung kontinuierlich zu bis auf kürzlich rund 630 Titel.

Und dann? Re-Digitalisierung!

Re-Digitalisierung? Das ist mein etwas hilfloser und technisch sicher nicht zutreffender Begriff für den Prozess, all meine CDs in FLAC-Datenform auf Festplatte zu übertragen (»rippen«). Das Unternehmen (ich hatte vor gut einem Jahr darüber berichtet, damals war ich noch bei knapp 600 Titeln) hat eine ganze Reihe von Monaten in Anspruch genommen und ist inzwischen weitgehend abgeschlossen.

Das bedeutet, dass inzwischen alle CDs meiner zuletzt nur noch ganz spärlich angewachsenen Sammlung auf Festplatte angekommen sind.

Außerdem steht mir seit kurzem ein neues Gerät zur Verfügung, ein Streaming-Player namens NODE 2i von Bluesound (NAD), das nicht nur hervorragende Klangqualität bietet und nahezu jeden bekannten Streamingdienst »bedienen« kann, sondern auch sehr komfortabel von USB-Festplatten Musik abspielen kann.

Damit habe ich endlich eine leicht und komfortabel per Smartphone-/Tablet-App bedienbare Musiklösung für meine HiFi-Anlage gefunden, ich erlebe momentan meine Musik quasi ganz neu.

Jetzt hat sich für mich die Tür zur nächsten Stufe meiner persönlichen Entwicklung als Musikhörer geöffnet, und an dieser Tür steht groß geschrieben:

STREAMING!

Zurück zu den Anfängen aus meiner frühen Jugend bedeutet das natürlich nicht, obwohl es einen Aspekt aus diesen alten Tagen gibt, der wieder an Bedeutung gewinnt. Man besaß damals keine Tonträger, man wählte aus dem aus, was das Radioprogramm anzubieten hatte.

Es beginnt nun also ein Zeitalter, in dem ich womöglich schon bald keine Tonträger mehr anschaffen werde, sondern meinen zukünftigen Bedarf nach neuer Musik, nach neuen Entdeckungen unmittelbar über einen Streaming-Dienst decken werde. Speichern werde ich zukünftig also vermehrt Favoriten und Playlisten, vornehmlich wahrscheinlich selbst zusammengestellte. Warum muss ich Musik downloaden und auf Festplatte einlagern, von weiteren CD-Käufen ganz abgesehen? Ich kann sie auch bei Bedarf aus dem Netz abrufen und auf meiner Anlage (oder mobil) streamen.

Ich habe meine persönliche Sammlung von etwas über 600 Titeln auf Festplatte, alles Weitere und alles, was neu für mich ist, kann ich z.B. aus dem riesigen Fundus von Amazon Music Unlimited (HD) schöpfen, wo ich mich gerade als neuer Nutzer (und alter Amazon Prime-Kunde) registriert habe.

Damit bin ich auf dem Zug angekommen, auf dem andere, vor allem die jüngeren Generationen, schon längere Zeit fahren. Gelegentlich hört man von den Marktberichten, die da lauten, dass auch das Zeitalter der CD zu Ende geht (und die Vinyl-LP noch eine audiophile Renaissance erlebt) und dass Musik-Streaming den Musikkonsum unserer Gesellschaft zunehmend bestimmt.

Ich sammle schon keine Bücher mehr in Regalen. Ich sammle keine Filme auf BD/DVD mehr in Regalen und nun sammle ich keine CDs mehr in Regalen.

Ich freue mich auf diese neue Episode in Sachen Musik…

2 Kommentare

  1. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe vor ein paar Jahren alle CD’s verkauft. LP’s habe ich schon lange keine mehr. Meine Musik kommt aus den Echos hier im Haus. Meine Frau hat keine Chance. Wenn sie Musik hören will muss sie Alexa bitten sie abzuspielen 🙂

    1. Ich glaube, viele meiner jetzt auf Festplatte befindlichen CDs bräuchte ich gar nicht mehr, da ich sie auch per Stream online hören könnte. Aber da ich sie nun einmal selbst habe und die kleine Festplatte keinen Platz raubt…
      Aber ich werde wohl wirklich keine neuen CDs mehr anschaffen, ich durchstöbere gerade (und sicher in den nächsten Wochen) Amazon Music. Da gibt es ja fast alles, was ich jemals gerne gehört habe, unglaublich. Egal, ob Pop/Rock, Jazz oder Klassik.
      Ist doch ein schöner Gedanke: Zwar eine Hifi-Anlage zu Hause stehen zu haben, aber keinerlei physische Tonträger mehr in mehr oder weniger hässlichen Regalen.

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