Medien-Entkabelung

Weitgehend Kabelsalat beseitigen. Neu verkabeln. Änderung von Gewohnheiten. Anpassung an veränderte Gewohnheiten. Aufräumarbeiten. Oder noch anders könnte diese Überschrift lauten…

Wie auch immer, jedenfalls schließt dieser kleine »Arbeitsbericht« an kürzlich angestellte Überlegungen aufgrund des Wegfalls des sogenannten Nebenkostenprivilegs seit Monatsbeginn an.

Er geht sogar darüber hinaus, denn meine Entscheidungen, die ich anlässlich dieser Versorgungs-Änderung bezüglich meiner Fernsehgewohnheiten traf, betreffen mein gesamtes Nutzungsverhalten, was Medien angeht.

Fernsehen neu, jetzt mit Privatprivileg

Meine TV-Nutzung kurz und knapp: Das Antennenkabel ist schon beseitigt, ich nutze via Internet die Mediatheken von ARD, ZDF und Arte oder auch via Amazon Fire-TV-Stick 4K. Bei letzterem habe ich einen EPG, der mir Überblick über das Programm meiner bevorzugten Sender gibt. Insgesamt spare ich so gegenüber der Versorgung bis Ende Juni 7,80 € im Monat. Technisch einfacher ist es auch, denn es entfällt ein Kabel und es kommt nichts Neues hinzu.

Medien-Gewohnheiten

Bisher stellte ein mittelschwerer Brocken von AV-Receiver (Onkyo) meine Medien-Schaltzentrale dar. Über diesen entschied ich je nach Bedarf und Möglichkeit, welche Programme meiner drei Zuspieler TV, Bluray/Multiformatplayer oder digitaler Netzwerkstreamer den Stereo-Weg zu meinen Front-Lautsprechern oder den Mehrkanalweg nahm zu insgesamt fünf Lautsprechern (Front, Center, Rear).

Da mein Bedarf an medialem Umluftgetöse inzwischen – schon seit längerer Zeit – stark rückläufig ist und ich deutlich weniger Kinofilme schaue als früher, erschien mir folglich die bisherige AV-Ausstattung als eher überdimensioniert. Musik hörte und höre ich sowieso weitestgehend in Stereo.

Geht das nicht alles etwas kleiner?

Mit etwas weniger Aufwand und Kabelgedöns? Und kann nicht mein recht neuer Smart-TV eine zentrale Rolle einnehmen, was Bild- und damit verbundene Toninhalte angeht?

Ja, das geht!

Seit vergangener Woche wird der Fernseher von einer passenden Soundbar mit Subwoofer unterstützt, die im homogenen Zusammenspiel mit dem TV das systembedingt eher dünne Klangbild des Flach-TVs zu einer mehr als ordentlichen Klangkulisse aufpeppt.

Hierzu benötigt es lediglich eine HDMI/eARC-Verbindung zwischen TV und Soundbar, so dass der TV die Kontrolle über das akustische Geschehen hat. Soundbar und Subwoofer verbinden sich via Bluetooth. Kurze Klangchecks mit anspruchsvollem Mehrkanal-Soundmaterial von Konzert-BluRays (Jeff Beck – Performing this Week… Live at Ronnie Scott’s, 2007) oder BluRay-Audio (Dvořák, Symphonies Nos. 6 & 9, Marin Alsop, Baltimore SO, Naxos 2011) zeigen ein jeweils angemessenes Bühnenabbild in Breite und Tiefe sowie erstaunliche Transparenz und ein sattes Fundament. Das hatte ich eigentlich an Qualität gar nicht unbedingt von einer Kombination von TV, Soundbar und Subwoofer der mittleren Preisklasse erwartet.

Um so erfreuter bin ich.

Tatsächlich hat sich damit schon eine meiner anfänglichen Annahmen revidiert: Dass ich nämlich in Zukunft meine verschiedenen Konzert-DVDs bzw. BDs per Stereo via Verstärker hören werde. Nein, ist nicht nötig.

Eindrücke von Kinofilmen konnte ich mir mangels Zeit noch nicht verschaffen. Live-Fußball jedenfalls klingt schon mal vielversprechend (besser als die meisten Mannschaften spielen…).

Und Stereo-Musik jetzt so?

Dies war der zweite Aspekt, der bei meinen Überlegungen in letzter Zeit in den Vordergrund getreten war. Die Tage meines mittelschweren Multikanal-Receiverboliden sollten definitiv gezählt sein – dessen multiple Anschluss- und Quellenmöglichkeiten ich sowieso nie genutzt hatte. Der Weg zurück zu Stereo-für-Musik erwies sich entgegen meiner üblichen eher etwas langatmigen Erwägungsprozesse (die schließlich meist zu schnellen Entscheidungen – oder gelegentlich zu Vertagungen führen) als kurz und knapp.

Ich entschied mich, ein gewisses Risiko eines Fehlkaufs einzugehen und gab einer attraktiven minimalistischen Variante den Zuschlag: dem digitalen (Class-D) Verstärker/Streamer WIIM Amp, der seit einger Zeit schon für Überraschung und Erstaunen auf dem Markt preisgünstiger und kompakter Digitalkomponenten gesorgt hat. Er ist Teil einer modernen Gerätefamilie, mit denen sich u.a. moderne und durchaus anspruchsvolle Mehrraumlösungen realisieren lassen.

Nach vielem, was ich dazu lesen konnte, scheinen die verbauten ‚inneren‘ Komponenten des Winzlings state-of-the-art zu sein, mindestens und auf jeden Fall in Relation zur Preisklasse. Dito, was die Verarbeitung und Materialien angeht. Die Anschlussmöglichkeiten auf der Geräterückseite decken genau das ab, was ich benötige.

Was konnte ich viel falsch machen, außer im ungünstigsten Fall 369 € zu verheizen? Irgendwie ahnte ich wohl, dass das nicht der Fall sein würde.

Ich behielt recht. Kein rausgeschmissenes Geld – ganz im Gegenteil!

Der Winzling (19x19x6,3 cm und 1,84 Kg) zeigt sich, in die Hand genommen, als ausgesprochen proper und solide. Da wirkt nichts billig dran. Die Verarbeitung ist tadellos, wichtige Kabel liegen bei. Sogar das Netzteil ist integriert und hängt nicht als Plastikkästchen an der Strippe. Kein Kunststück: Kleine Class-D-Verstärker kommen mit sehr kleinen Netzteilen aus, sie ‚verbraten‘ nur sehr wenig Leistung. Einer der wesentlichen Aspekte, die sie so attraktiv machen.

Ok, das soll jetzt kein Verstärkertest werden. Nur so viel: Ein paar wenige Hörproben mit anspruchsvollem Musikmaterial (von Symphonieorchester bis zu filigranem, gediegenem Vokaljazz) zeigten schon klar, dass sich der Kleine überhaupt nicht verstecken muss. Ich bin sicher, das wird sich im Lauf der nächsten Tage immer wieder bestätigen, je mehr Musik ich damit hören werde. Von der Klangqualität her bin ich mindestens auf demselben Niveau unterwegs wie zuvor – und was will ich denn mehr?

Generell scheint sich der Markt für HiFi wie für Film/TV verändert zu haben. Im unteren bis mittleren Preissegment trendet es wohl stark zu vielseitigen, aber kompakten (und sehr wohnraumfreundlichen) Medienlösungen rund um das Streaming aus lokalem und fernem Netz, ohne Bedarf an großen Geräteparks und verfummelten Verkabelungen. Eingebunden werden moderne Smart-TVs sowie kabellose Kopfhörer.

Auf der anderen Seite bleiben wohl bis zu zentnerschwere Edelboliden aus feinsten Materialien und mit ausgefuchsten Technologien ausgestattet, die Lautsprechertürme für großdimensionierte und optimierte Hörräume antreiben. Multi-Tonarmige Vinyldreher, die auch von mittleren Erdbeben nicht erschüttert werden, zu Preisen von Sportwagen usw. Das alles bis hinein in Preisregionen, wo Geld keine Rolle spielt und bisweilen für höchst sonderbares bis esoterisches Zeug aus dem Zubehörkatalog gewogener Kleinhersteller ausgegeben wird.

(Gibt es eigentlich schon analoge HighEnd-Luftreiniger, die man unmittelbar neben die Lautsprecher stellt, so dass sie den Luftraum davor von jeglichen den Klang beeinträchtigenden molekularen Partikeln befreit?)

Egal. Die beschriebene Neuausrichtung und Neuausstattung meiner Mediengeräte-Landschaft entspricht ziemlich genau meinen Vorstellungen und Erwartungen, und das alleine zählt.

Wobei… da ist noch…

Angeschlossenes

Doppelt gemoppelt?

Da der WIIM Amp ein Verstärker und Streamer ist, wäre mein bisheriger Streamer im Grunde überflüssig. Zur Zeit bleibt er aber noch meine primäre Digitalquelle und per optischem Kabel angeschlossen. Zumindest so lange, bis ich mir ein gutes Bild von den Qualitäten des Verstärkers und seiner zugehörigen App gemacht habe. Eventuell kann ich also ein weiteres Gerät einsparen, aber es ist ja keine Eile geboten…

LAN statt WLAN

Ich habe es selbst in meinem Kommentar vom 5.7.24 (s.u.) als Antwort auf Horst geschrieben:

Am WLAN meines Routers hängt jetzt nur noch der Smart-TV, für die anderen drei Geräte habe ich gestern drei neue Netzwerkkabel je 15 Meter in den Kabelkanal verlegt – ich habe im Kommentar erwähnt, dass ich solche Kabelverlegearbeiten hasse —

Ich habe mich für diese Netzwerkverkabelung entschieden und nicht für eine kleine Switch-Lösung, die nur ein langes Kabel und drei (oder vier) Kurzverbindungen zu den Geräten benötigt hätte. Den Kabelkanal hatte ich schon und mein kleiner Switch, der früher einmal gute Dienste geleistet hatte, scheint kaputt zu sein. Er läuft in kürzester Zeit so heiß, dass man ihn nicht mehr anfassen kann.

Das ist also der neue Stand der Dinge, der meinen heutigen Gewohnheiten entspricht und mit weniger auffälligem Gerätepark und übersichtlicherer Verkabelung auskommt.

Nachtrag am 19.07.2024

Ich baue doch um auf eine Variante mit Switch, an den alle vier Geräte einschließlich des TV angehängt werden. Denn genau dieser findet ab und zu sein WLAN nicht. Also noch einmal etwas Kabel-Gewusel in den Zimmerecken und dann ist’s gut.


Kommentare

2 Antworten zu „Medien-Entkabelung“

  1. Horst Schulte

    Danke für deine Ausführungen zu diesem Thema. Die Details sind zum großen Teil für mich böhmische Dörfer. Aber ich halte deine Optimierungen dennoch für interessant. Mich bringt das – auch wenn ich längst nicht alles verstanden habe – dazu, auch darüber nachzudenken, was ich hier optimieren könnte.

    Ich hatte übrigens auch einen Receiver von „Onkyo“ und war damit über Jahrzehnte sehr zufrieden. Vor ein paar Jahren habe ich mir das im Vergleich winzigen „Block“-Gerät gekauft. Das nutze ich fast nicht mehr, weil ich den ganzen Tag nur streame. Meine Platten- und CD-Sammlungen rühre ich nicht mehr an. Eigentlich schade.

    Ich nutze ebenfalls den TV-Stick von Amazon. Da ist alles dabei, was man braucht. Zuletzt habe ich eine Störung beim Sateliten-Empfang gehabt und habe auf die Live Übertragung des ZDF via TV-Stick gewechselt. Man könnte quasi auf den Empfang via Satelit komplett verzichten. Du machst das ja offenbar genauso.

    Im Moment herrscht bei ARD und ZDF Wiederholungszeit. Nichts Neues wird gezeigt, sondern buchstäblich Wiederholungen am laufenden Band. Mich nervt das, weil diese aus meiner Sicht finanziell überversorgten öffentlich-rechtlichen Sender doch wenigstens so viel Kundenorientierung haben sollten, dass wenigstens im Wechsel (von ARD und ZDF) neue Programme gezeigt werden könnten. Aber nein, es hat sich halt „bewährt“. Gut, dass das während der Ferien vielleicht anders läuft, mag man noch verstehen. Viele sind nicht zu Hause oder verbringen ihre Freizeit anderweitig. Aber es gibt eben auch Millionen von Menschen, die gern ein Programm sehen würden, dass nicht aus Wiederholungen besteht.

    Ich habe neben meiner Block-Anlage die beiden alten Holzboxen immer noch in Betrieb. Ich konnte mich nicht trennen, obwohl sie doch ziemlich groß sind…

    Die meisten Kabel liegen in meinem Arbeitszimmer. Am iMac habe ich Drucker, Lautsprecher, externe Laufwerke, LAN, Strom für jedes Gerät. Das ist schon lästig und sieht sehr unordentlich aus. Ich habe mir schon oft vorgenommen, das aufzuräumen. Aber als Rentner hat man für sowas schließlich nie Zeit. 🙂

  2. Boris (Autor)

    Ich habe vor allem die Kabel-Wurschteleien schon immer gehasst. Das heißt immer Gefummel in staubigen Ecken, unter Schränken und Regalen, wo man nix wirklich sieht. Und es dauert. Ich habe bei den geschilderten Arbeiten wieder kräftigen Flüchen gefrönt.

    Jetzt werde ich morgen den Fire-TV und den neuen WIIM per LAN-Kabel anschließen, weil das einfach stabile Verbindungen gibt. Bei WLAN verschwinden manchmal einfach Geräte und ich muss sie neu anmelden – was ich ebenfalls hasse. Mein Streamingplayer hängt schon am LAN. Bleibt nur der Fernseher, der WLAN nutzen soll, weil am Router nix mehr frei ist.

    Aber sonst bin ich ziemlich begeistert…

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