Einmal neu bitte!

Oder: Wie es kam, dass ich gestern kurzentschlossen meinen PC neu aufsetzte, also neu installierte.

Seit einiger Zeit schon hatte ich beobachtet, dass meine System-Partition, auf der zur Zeit Ubuntu 24.04 LTS residiert, etwas knapp an Speicherplatz geworden war.

Es kam der Gedanke auf, das alles einmal komplett neu zu installieren, diesmal aber die Festplatte (SSD) nicht mehr in zwei Partitionen aufzuteilen (System / und /home), sondern einfach das gesamte Laufwerk als eine Partition zu verwenden.

In meinem Fall war die Unterteilung des Laufwerks ein Relikt aus frühen Zeiten, in denen oft mehrere Festplatten im Rechner Dienst taten bzw. ein gewisser Ordnungssinn eine Unterteilung nahelegten. Auch systembedingte Größenbeschränkungen erzwangen manchmal eine Partitionierung. Heute macht das i.a.R. eher keinen Sinn mehr. Wie auch immer…

Ich hatte mich noch nicht ganz entschieden, vielleicht lohnte sich auch ein gründliches Entrümpeln der Systempartition von Altlasten. Gesagt, getan – und verloren. Hahaha! Ich Schlaumeier habe dabei wohl einen Teil des Unterbaus der Systemoberfläche (GUI) Gnome »abgeschossen«. Ich dachte halt so, dass diese zwei Verzeichnisse mit älteren Versionsnummern neben dem mit dem aktuellen GUI Altlasten wären, die gar nicht benötigt würden. Der knapp 1 GB umfassende Platzgewinn auf der Platte schien zu verlockend.

Ich merkte also Zug um Zug, dass manches nicht mehr funktionierte: Webbrowser, E-Mailprogramm… nope. Zugriff auf externe USB-Laufwerke: eingeschänkt lesend und schreibend, aber nicht mehr formatierend.

Kaputto…

Ich hatte das System einigermaßen gründlich »zerschossen«.

Ich beschloss, das zu tun, was ich in solchen Fällen eigentlich immer getan habe, nämlich das System komplett neu aufzuspielen. Das kostet am Ende erfahrungsgemäß weniger Zeit und Nerven als Fehlersuche und -reparatur. Zumal Webbrowser nicht mehr zur Verfügung standen.

Erster Schritt: Alle Daten und Dokumente auf ein externes Laufwerk sichern, um dieselben später auf die frisch eingerichtete SSD zurückspielen zu können. Im Hintergrund gibt es zur Sicherheit ein zwei Tage junges Backup. Firefox-Bookmarks hole ich mir per Synchro mit dem Smartphone zurück, E-Mail-Einrichtung und E-Mails zurückholen… dazu gleich mehr.

Zweiter Schritt: Aus einem USB-Stick ein bootfähiges Startmedium mit dem aktuellen Ubuntu 24.04 LTS zu machen ist eine Sache von wenigen Minuten. Einstöpseln, Neustart, …

Ein frisches Linux-System entsteht

Das frische System darf nun die gesamte SSD als eine Partition formatieren und verwenden. Die Installation erfolgte erwartet zügig und problemlos. Anschließend Schritt für Schritt zusätzliche Software installiert – was ich da brauche, weiß ich inzwischen weitgehend auswendig. Der Rest folgt in den nächsten Tagen.

Danach alle benötigten Daten und Dokumente von der Auslagerung zurückkopiert, die Bookmarks synchronisiert, uBlock Origin eingerichtet und auch der Firefox funktioniert wie gewünscht.

Am Abend hatte ich den PC wieder frisch und flott einsatzfertig.

Bis auf:

E-Mail – Überlegungen

Thunderbird und meine zwei E-Mail-Accounts waren in wenigen Minuten funktionsfähig eingerichtet (die rund 35 Alias-Adressen »liegen« ja auf den Mailservern).

Jetzt hätte ich die angesammelten E-Mail-Ordner aus dem letzten Backup vom Donnerstag Abend herauspfuscheln – das sind tatsächlich nur knapp 90 MB – und an die entsprechende Position im Thunderbird-Profil kopieren können… aber:

Wirklich? Warum?

Das war nun die Frage. Benötige ich wirklich diese gesammelten E-Mails mindestens aus den letzten beiden Jahren – ältere habe ich sowieso schon in die Thunderbird-Archivordner verschoben?

Ich meine, ich übe schon seit bestimmt gut 15 Jahren ein relativ strenges Regiment, welche Mails ich wie lange aufbewahre. Meine gesicherte Sammlung ist also tatsächlich eher klein.

Ich entschied folglich heute früh, es erst einmal so zu belassen und mit leeren Postfächern zu beginnen. Ich weiß ja, dass ich jederzeit an meine gespeicherten Mails über die Backups herankomme. Den »Stichtag« des Neustarts kenne ich auch. E-Mails habe ich immer schon per Backup und zusätzlich manuell gesichert.

Nachsatz:

»Kids, don’t do this at home!«

Solche Kapriolen wie beschrieben bitte nicht nachmachen, wenn ihr nicht über reichlich 30 Jahre Erfahrung im versehentlichen oder absichtlichen Plattmachen und Neu-Aufsetzen von PCs habt. Die einem jeden Anflug von Panik und Aufregung ersparen, wenn man mal etwas »verbockt«. Unterstützt natürlich von der beruhigenden Rücklage von Backups und Datensicherungen.

Kommentare

6 Antworten zu „Einmal neu bitte!“

  1. Avatar von Daniel

    Zu meinen Anfangszeiten hatte ich auch mehrere Partitionen, was ich inzwischen wie du handhabe. Nachteile hatte ich dadurch keine.

    Das gleiche hatte ich auch schon erlebt, weshalb ich auch regelmäßig das komplette Home-Verzeichnis sichere. E-Mails behalte ich nur aus dem gleichen Jahr, alles andere verstaubt im Backup. Ich hatte mal überlegt, alle Daten zu löschen die älter als zehn Jahre sind. Das würde in vielen Fällen gar nicht auffallen. Allerdings belegen die so wenig Speicherplatz, dass ich es locker verschmerzen kann mich doppelt und fünffach abzusichern.

    Was ich ebenfalls langsam aufgebe, ich bin noch in der Eingewöhnungsphase, sind Minimalinstallationen. Früher habe ich alle vorgeschlagenen Pakete geblockt. Zum einen um das System schlank zu halten, aber auch um die potentielle Angriffsfläche zu verringern. Inzwischen handhabe ich das weniger restriktiv, was sich stellenweise in einem gewissen Komfort wiederspiegelt.

    Was ich am schlimmsten an einem neu aufgesetzten System finde ist, dass die ganzen kleinen Gewohnheiten (die man inzwischen als gegeben wahrnimmt) weg sind. Zwar hatte ich mal versucht z.B verschiedene Starter in meinen Leisten mitzunehmen, hatte anscheinend durch Versionsunterschiede dann aber doch Probleme, weshalb ich nun jedes Mal mit einem jungfräulichen Debian starte. Was auch Vorteile hat.

    Wenn ich aufräume, dann lösche ich Anwendungen und den dazugehörigen Cache und Confi Dateien, oder eventuell Thumbnails die sich angesammelt haben. Speicherplatz ist heutzutage aber wohl das kleinste Problem. Eher von außen erlernte Gewohnheiten, wie zB. das System auf mehrere Partitionen aufzuteilen.

    Und die größte Gefahr überhaupt ist, wie wir gerade erneut erfahren haben, meist der Nutzer selbst! 😉

  2. Avatar von Massimo

    das wäre bei mir auch dringend nötig, aber ich scheue mich aus Angst Daten zu verlieren die ich irgendwo vergesse.

    1. Avatar von Boris (Autor)
      Boris (Autor)

      Diese Angst ist es genau, die mit der Erfahrung mehr und mehr verschwindet. Alles steht und fällt mit Backups und zusätzlichen manuellen Datensicherungen besonders essenzieller Dateien, an die du im Bedarfsfall schnell herankommen musst, z.B. die aktuelle Datenbankdatei eines Passwortmanagers.

      Meine Erfahrung sagt mir aber auch: Irgendwas vergisst du immer.
      Das sind gerne mal Konfig-Dateien irgendwelcher Programme, in denen eine schön zusammengebastelte Arbeitsumgebung mit Plugins o.ä. abgespeichert waren.

  3. Avatar von Marfey
    Marfey

    Mir juckt es auch Mal wieder in den Fingern den PC neu aufzusetzen.
    Ich will jedoch Distro hoppen.
    Den Hinweis „Don’t do this at home“ finde ich gut, aber weniger mit dem Kommentar: Nur mit genügend Erfahrung.
    Wie soll man die denn bekommen, wenn nicht durch Trial and Error?
    Deswegen rufe ich lieber: „don’t try this at /home“ Macht ein Backup oder probiert euch ersteinmal auf VMs oder alten Laptops aus. „Versuch macht kluch‘ oder so. Aber bitte mit Backup.

    1. Avatar von Boris (Autor)
      Boris (Autor)

      Du hast natürlich recht, die Erfahrungen musste ich ja auch erst einmal sammeln. Was ganz früher ein oder zweimal mit ärgerlichen Datenverlusten einherging. Ich denke, so habe ich das auch gemeint: dass „Neulinge“ auf diesem Gebiet mit großer Vorsicht und Umsicht zu Werke gehen sollten. Hinsetzen, in Ruhe nachdenken, was alles vor dem Neuaufsetzen gerettet werden muss, alles z.B. auf Zetteln notieren. Am Ende nochmal alles durchgehen. Dann erst an der entscheidenden Stelle den Enter-Button drücken, der dafür sorgt, dass die Festplatte formatiert wird.

  4. Avatar von Horst Scheuer

    Ich habe auch schon jede Menge Neuinstallationen hinter mir und nutze deshalb ein NAS. Auf dem einzelnen Rechner habe ich keine Daten gespeichert. Alle mein Daten sind auf diesem NAS.

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