Thomas Gigold hat in seinem Rant über KI-unterstütztes Schreiben in privaten Blogs auch auf meinen letzten Beitrag Bezug genommen – und mir damit ein paar Denkanstöße zur Ergänzung ermöglicht. Hier sind sie.
Allgemeine Versloppung
Wenn tatsächlich schon, wie Thomas verlinkt feststellt, etwas über 50 Prozent aller Texte im Internet KI-generiert sind, dann ist die Situation schlimmer, als ich bis heute früh dachte. Die Versloppung des Internet beginnt also schon zu galoppieren, das Ganze dürfte von exponentiellem Wachstum gekennzeichnet sein. Je mehr KI-generiertes Material diese Systeme zum Trainieren »einatmen«, desto exponentiell mehr KI- verwursteten »Slop« bzw. Bullshit werden sie fürderhin generieren. Textuelle Inzucht sozusagen. Meines Wissens gibt es dagegen (noch) keine funktionierenden Maßnahmen. Ich neige zu der Vermutung, dass sich daran in lange absehbarer Zeit nichts ändern wird, grundsätzlich nicht.
Ich habe vor einger Zeit von einem Vorschlag gelesen, KI-generierte Texte mit irgendeiner Art Marker zu versehen, damit LLMs diese von ihrem Trainingsmaterial ausschließen können. Abgesehen von der Frage, wie so ein Marker aussehen und zur Anwendung kommen soll, entsteht unausweichlich folgendes Dilemma:
Die Textmenge ohne Marker wird bei fortschreitender Entwicklung immer geringer (es sind, vgl. oben, vermutlich jetzt schon nur noch rund 48 Prozent aller Veröffentlichungen, für die kein Marker gesetzt würde). Gleichzeitig werden die »verwertbaren« Texte inhaltlich immer älter.
Was das für die Behandlung aktueller an sie gerichteter Fragen bedeuten wird, kann man sich leicht denken. Am Ende erstürbe das gesamte Konstrukt LLM (Chatbots) erstickend an seinem eigenen veralteten Bullshit.
Das ist eine Möglichkeit. Vielleicht fällt den Entwicklern ja doch rechtzeitig eine Lösung ein.
Generiertes Mittelmaß. Bestenfalls.
Thomas schreibt:
Als schlechter Schreiber wirst du nur besser, wenn du mehr schreibst.
Und zwar in deinem eigenen Stil. Nicht in einem durch KI rundgelutschten Standard-Sprech.Ich sag nicht, dass du »verzichten« sollst. Lass die KI dein Lektor sein. Aber ein Lektor ist ein Ratgeber. Dazu gehört, dass du den auch ignorieren kannst. Sind Rechtschreib- und Grammatikfehler wirklich dermaßen schlimm? Für mich beginnt der Eingriff tatsächlich schon beim Satzbau, denn schon der zeigt Persönlichkeit.
Der größte Teil aller Texte im Internet ist in sprachlicher Hinsicht – stilistisch, grammatisch – bestenfalls mittelmäßig. Das ist keine unverschämte Meinung von mir, sondern rein statistisch bedingt. Die Gesamtheit aller poetischen und epischen Höchstleistungen unserer Kultur stellen wahrscheinlich bloß einen geringen, wenn nicht marginalen Teil der Gesamtheit des verarbeitbaren Textmaterials im Internet dar. Ich vermute, wir haben es mit einer leicht nach links verschobenen Normalverteilung zu tun. Das Gros allen Materials dürften Texte von stilistischer Unauffälligkeit bis Belanglosigkeit sein, grammatisch halbwegs korrekt, mit vertretbar geringer Anzahl von Rechtschreib- und Tippfehlern.
Wenn ich als mittelmäßig begabter Autor einen Chatbot als qualitative Unterstützung heranziehe, erhalte ich als Resultat Texte von bestenfalls mittelmäßiger Qualität, anders formuliert: wenn ich aus Mittelmaß und Mittelmaß den Durchschnitt bilde, kann als Resultat nichts anderes als nivelliertes Mittelmaß herauskommen. Im Grunde kann KI Texte nicht optimieren, sondern bloß nivellieren. (Es sei denn, das persönliche Ausgangsmaterial ist von so bedauernswerter Qualität, dass zumindest ich mir eine ganz andere Frage stellen würde)
Als schlechter Schreiber wirst du nur besser, wenn du mehr schreibst.
Das ist tatsächlich eine Weisheit, die ich selbst in den Anfangszeiten meiner akademischen (Aus-) Bildung gelernt habe. Oder schlicht: Übung macht den Meister, wie es mir meine Eltern beigebracht haben.
Das wesentliche Element ist tatsächlich – ich stimme Thomas voll zu – die persönliche Note, die ein Blog ausmacht. Oder inwieweit es sich vielmehr zum Beispiel als redaktionelles Magazin zu brennenden Zeitthemen mit Meinungsteil versteht. Oder meinetwegen als quasi-objektive Testplattform für elektronische Kommunikations-Gadgets. You name it.
Ich habe eine bestimmte Menge Zeit pro Tag zur Verfügung, in der ich meinen Informationsbedarf zu Fragen der Zeit stille. Dazu habe/nutze ich bestimmte (überwiegend alt-hergebrachte) Quellen. Und ich habe eine weitere (größere) Menge Zeit pro Tag, in der ich Blogs besuche und lese. Weil mich eure Befindlichkeiten interessieren, eure Meinungen zu allen möglichen Dingen der Welt (ohne Quellen-Recherchen), eure Rants, eure neuen Geräte u.v.a.m.
Quellen-Recherche
Wenn ich zu einem komplexeren Thema schreibe (was selten genug ist), dann recherchiere ich Quellen grundsätzlich selbst. Vor allem dann, wenn ich nicht selbst schon über genügend sicheres Fachwissen verfüge. Wenn ein solcher Blogbeitrag wissenschaftlichem Anspruch genügen wollte, dann gäbe es am Ende ein Quellenverzeichnis. So etwas habe ich immerhin mal gelernt.
Ansonsten gebe ich gerne Quellen an, wenn ich auf Erklärendes oder Weiterführendes verweise, das andere besser als ich formuliert haben, oder wenn an angegebener Stelle mehr zum Thema zu lesen steht als ich schreiben mag oder kann.
Quellen-Recherche ist für mich darüber hinaus Vertrauenssache. Und ich vertraue mir selbst als Rechercheur ganz grundsätzlich mehr als ich automatischen Systemen zu vertrauen bereit bin. Ließe ich hier eine KI von der Leine, müsste ich sowieso jedes Ergebnis selbst auf Gültigkeit und Tauglichkeit prüfen.
Für mich ist hier in meinem Blog kein Thema so ausufernd komplex oder kompliziert – und ich so ungeübt damit, dass ich unmäßig zeitraubende Recherchen anstellen müsste, um es zu bewältigen.
Die vergleichsweise wenigen Quellen-Recherchen, die ich mache, gehören zum Spaß am Schreiben eines Artikels. Sie sind immer auch ein Teil eines Lernprozesses zum jeweiligen Thema.
Ich bin kein Journalist, kein (selbst-) beauftragter Redakteur einer Informations – und/oder Meinungsplattform. Ich bin bloß ein Typ mit einem privaten Blog, der zu all den Dingen gelegentlich schreibt, die ihn beschäftigen. Mal mehr, mal weniger recherchiert.
Und der sich über jede Leserin und jeden Leser freut…
PS: Ich nutze selbst auch KIs, allerdings die von der bilderzeugenden Art aus der großen Familie der Stable-Diffusion-Ableger. Dazu habe ich mir sogar, wie beschrieben, einen neuen PC gebaut, um lokal auszuprobieren, zu generieren und zu lernen. Einfach, weil es mir Spaß macht – auch die dahinter stehende Mathematik wenigstens ein Stück weit zu ergründen. Das ist zur Zeit das Gebiet, auf dem ich am meisten Wissen recherchiere, um zu verstehen.
Zu diesem Thema werde ich sicher in der nächsten Zeit noch den einen oder anderen Beitrag verfassen.
Der Thomas hat zu KI-erzeugten Bildern in Blogs auch eine klare Haltung, die sich allerdings von meiner deutlich unterscheidet. Das aber ist doch einer der wesentlichen Aspekte des Bloggens: eine Haltung zu etwas zu haben und diese zu vertreten. Dazu brauchen weder er noch ich irgendetwas zu recherchieren und KI-Unterstützung benötigen wir schon gar nicht. Nur ein paar Links zur Vernetzung…
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