Doppelrant

Sozusagen. Sind so zwei Themen, die in den letzten Wochen immer mal wieder – und immer noch – für Furor in der Bloggeria sorgen. Zu beiden habe ich schon bei Gelegenheit Anmerkungen geschrieben, aber der Aktualität wegen nochmal was dazu.

Kommentare in Blogs

Der Horst hat vorgestern was Gutes zum Thema geschrieben, was wiederum interessante Kommentare anderer Blogger auslöste. Richtig so. Ich will ergänzen, dass Kommentare m.E. in der Art zu Blogartikeln gehören (können), dass sie zum jeweiligen Thema inhaltlich beitragen (können). Ich erinnere mich dunkel an viele Blogs von amerikanischen Webdesignern, die ich in den »Nuller-« und frühen »Zehnerjahren« las. Wegen Webdesign. Blogartikel waren oft erst dann wirklich vollständig und dann oft unglaublich hilfreich, wenn zwanzig, dreißig oder vierzig Kommentare aufgelaufen waren. Kaum ein noch so stark (frei-) beruflich vielbeschäftigter Webdesigner jener Tage hätte seinen Kommentarbereich »wegen zu viel Moderationsaufwand« oder ähnlichem MiMiMi zugemacht. Da war eine Kultur entstanden. Und die lebten diese Leute. Ich weiß gar nicht, wieviel Know-how ich in Sachen Webdesign aus Kommentaren ziehen konnte. Ich bin dankbar für diese Kommentar- und Dikussionskultur. Ein bisschen gibt es davon noch. Sie war aber hier in Deutschland immer weniger ausgeprägt als bei den Amis.

Ähh ja… es gibt auch viele amerikanische Blogger ohne Kommentarbereich. Geschenkt. Nicht, dass jemand meint, er (kaum sie) hätte damit irgendeinen Punkt.

Blogger haben sich auch über Kommentare vernetzt, die meisten Blogs, die ich schon länger lese, habe ich über Kommentare in meinem und in anderen Blogs kennengelernt. Über Blogs ohne Kommentarbereich habe ich eher selten andere Blogs kennengelernt, es sei denn, sie waren wesentlicher Aspekt eines Artikels und deswegen im Text verlinkt.

Ansonsten sind Blogs ohne Kommentarbereich doch eher solitäre Sackgassen, sie wirken wie redaktionelle Sach-Berichterstattung ohne Interesse an Diskussion. Oder an solitäre Meinungsplattformen der Art: »Ich. Hier. Mein Blog. Meine Meinung. Punkt.«.

Der gelegentliche Hinweis auf die Möglichkeit, sich per E-Mail zu einer Sache zu äußern, erinnert mich bestenfalls an die ziemlich aus der Zeit gefallene Möglichkeit, Leserbriefe zu schreiben. Danke. Hat sich schon erledigt.

Eine E-Mail als Kommentar-Ersatz ist immer nicht-öffentlich, also privat an den/die Blogbetreiber*in gerichtet. Ein Kommentar dagegen ist öffentlich für alle Lesenden des Blogartikels sichtbar. Das ist ein ziemlich bedeutsamer Unterschied.

Mädchen am PC, in Wut schimpfend, nachts. Grafik, Anime, erstellt mit txt2img-Generator
…and as if this weren’t enough!

KI in Blogs

Ein weiterer aktueller Aufreger. Reicht inzwischen bis dahin, dass Vorab-Benachrichtigungen eingefordert werden, ob zu einem Blogartikel KI in Form von LLMs zu Hilfe genommen wurde. Und wenn ja, in welcher Form. Und ob KI-Slop-Bilder in Artikel oder als Headerbild eingefügt wurden.

Also Leute, klar: Wir brauchen für jedes Blog Disclaimer, und gegenenenfalls vor jedem Blogartikel.

Disclaimer: In diesem Blog/Blogartikel wird KI/LLM (nicht) eingesetzt für

  1. Zweck 1
  2. Zweck 2
  3. usw.

Disclaimer: In diesem Blog/Blogartikel werden KI-Slop-Bilder (nicht) eingesetzt. Alternativ werden (nicht) Stockfoto-Slop-Bilder oder eigene Amateurfoto-Slop-Bilder eingesetzt

Disclaimer: In diesem Blog/Blogartikel wird sachlich-redaktionell berichtet – vs. In diesem Blog/Blogartikel wird Meinung geäußert

Disclaimer: In diesem Blog/Blogartikel werden Sachverhalte dargestellt und erörtert, deren Kenntnisnahme einige Leser beunruhigen könnte

Disclaimer: Dieses Blog sieht sich erklärtermaßen politisch links/mitte/rechts

Ich würde gerne auch noch dafür plädieren, dass Blogs grundsätzlich die bekannten FSK-Kennzeichnungen aufweisen

Wir müssen uns auch darauf verständigen, ob inhaltliche Kategorien aus- und Artikeln zugewiesen werden sollten oder ob Tags und eine Tagwolke ausreichen.

Satirische oder anderswie unernste Beiträge sollten ebenfalls klar gekennzeichnet werden. Das vermeidet Missverständnisse bei Lesenden ohne Humordetektor.

Kurzum, Blogs sollten inhaltlich reguliert werden, natürlich freiwillig. Sonst gibt’s eben ein Gesetz. EU-weit.

Formal sollten Blogs auf Barrierefreiheit und Einfache Sprache geprüft und gekennzeichnet werden.

Ok, war’s das? Ich glaube, das war’s. Vorerst.

Deutschland Reguliertes Bloggerland!

Fertich. Ihr dürft mich jetzt alle falsch verstehen, wenn ihr wollt.

Ach, noch was…

Übrigens, ich hatte, als ich über diesen zu schreibenden Doppelrant nachdachte, tatsächlich geplant, die Kommentarfunktion zu diesem Artikel zu deaktivieren. Das wäre doch lustig gewesen. Da fühlt sich womöglich jemand angestochert und gemeint, vor allem wegen der Kommentarsache – und kann dann selbst nicht kommentierend ablassen. WTF?

Aber Ok, ihr dürft gerne kommentieren, wie hier in diesem Blögchen schon immer üblich. Und wie üblich bin ich die oberste Moderationsinstanz, die entscheidet, ob ein Kommentar angemessen ist oder nicht.

Kommentare

7 Kommentare zu „Doppelrant“

  1. Avatar von Norbert

    Danke für deinen Beitrag.

    Ich blogge auch schon 2, 3 Tage und kenne gerade das Kommentar-Thema, wie du es beschreibst: Ergänzungen, Korrekturen und weiterführende Informationen runden einen Beitrag überhaupt erst ab. So bekommt man ein wunderbares Gesamtbild und lernt dazu. Sowohl als Schreibende, als auch als Lesende. Win-win an allen Ecken.

    Über die Jahre hat sich das Verhalten in einigen Bubbles geändert und es gibt immer mehr, die einfach nur ihre Sicht der Dinge mitteilen wollen und an keinem Feedback, keiner Korrektur o.Ä. interessiert sind. Das erinnert an die Leute IRL, die eigentlich nur auf eine kurze Pause warten, um ihren Text loszuwerden, auf den Rest aber gar nicht eingehen. Um ein E-Mail zu schreiben, muss mir ein Thema schon seeeeeehr wichtig sein und das ises dann meist nicht. Ergo ist es nicht nur eine Hürde, sondern schon eine hohe, breite und lange Mauer.

    Tatsächlich fallen derartige Blogs bei mir zunehmend aus dem Feed-Reader. Ich mag Sackstraßen nicht – und schon gar nicht, wenn sie Einbahnen sind.

  2. Avatar von ClaudiaBerli

    Herrlich, deine Demo zu den möglichen Labels! 🙂
    Ansonsten volle Zustimmung, auch zu Norberts Kommentar!

    „die Möglichkeit, sich per E-Mail zu einer Sache zu äußern“ – das ist KEINE ALTERNATIVE!

    Beispiel:

    Eins der wenigen Blogs ohne Kommentarfunktion, das es wegen interessanter Themen in meine Blogbibliothek geschafft hat, ist das von Stefan Fritz. Heute morgen las ich also den aktuellen Artikel Wert entsteht nicht mehr durch Tun, zu dem ich einige Nachfragen gehabt hätte, denn stellenweise bleiben seine Thesen recht abstrakt.

    Kurz hab ich drüber nachgedacht, ihm zu mailen, die Idee aber schnell verworfen, denn niemand anders hätte die Fragen und mögliche Antworten mitbekommen – und weder mir noch ihm geht es doch darum, anhand einer Artikelvertiefung neue Leute persönlich kennen zu lernen!

    Nö, es geht bei Kommentaren darum, Unklarheiten und Unvollständigkeiten zu klären bzw. zu ergänzen – FÜR ALLE, die den Artikel spannend finden. Immer wieder schade, wenn sich jemand dem verschließt!

  3. Avatar von Tommi

    Danke für diesen schönen Rant.

    Kommentare, das sehe ich gelassen. Für mich gehören die zu einem Blog dazu. Wer aber keine will/mag/kann, geschenkt. Soll jeder für sich entscheiden.

    Darf ich die Disclaimer klauen? 🙂 Das ist so dermaßen genial. Da fehlt aber noch der Disclaimer, dass man zuerst die Disclaimer lesen muss und jeden davon per Opt-In bestätigt, bevor man zum Blogbeitrag scrollt. Aber das kommt dann sicherlich mit der EU-Regulierung.

    Ne, im Ernst, wenn ich meine KI-Titel-Grafiken mit einem Disclaimer versehen würde, würde ich damit doch den Intellekt meiner LeserInnen in ein eher schlechtes Bild rücken. Ich würde damit ja indirekt die Vermutung äußern, dass die zu dumm sind, das selbst zu erkennen.

    Bei KI-Texten würde ich es allerdings machen bzw. weise ich schon heute darauf hin, dass Passagen aus einer KI kommen. Da fände ich es ok. Aber eine Pflicht zum Zwang sehe ich hier auch nicht.

    1. Avatar von Boris (Autor)
      Boris (Autor)

      Ich notiere die txt2img-Generation im im ALT-Tag des Bildes, erwähne meist auch das genaue txt2img-Modell, das ich verwendet habe. Das reicht aus.

  4. Avatar von Stephan

    Ich kann die Gedanken zu Kommentaren gut verstehen. Auch mich dürstet es regelmäßig nach Austausch unter meinem Geschriebenen, aber dann gebe ich doch immer wieder nach, da sich Entwicklungsaufwand für eine Lösung bei einer komplett statischen Seite gegenüber den paar wenigen, gehaltvollen Kommentare dann doch nicht rechnen?!

    Daher will ich an der Stelle noch einmal eine Lanze für E-Mail brechen. Ich schreibe Menschen! Und ich freue mich wahnsinnig über elektronische Post! Das hat schon zu regem Austausch geführt, zu physischen Treffen in Cafés und zu Geslrächen, was ich alles meinen Blog-Notizen wieder als Updates zuführe und somit auch öffentlich sichtbar mache. E-Mail kategorisch als Kommentarfunktion auszuschließen würde ich noch mal überdenken.

  5. Avatar von Horst Schulte

    Man könnte doch so einen Zähler einbauen. Prominent platziert, versteht sich. Wenn die Zahl 1000 erreicht ist, wird der Blog wegen x-beliebiger Verstöße, die Leser*innen angezeigt haben, für 1 – 2 Tage abgeschaltet. Wie weit wir von solchen Maßnahmen noch entfernt sind? Gar nicht so weit, glaub ich. Sozialpunktesystem nennen die Chinesen das. Jedenfalls in der Art.

    Danke für den lustigen Text.

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