Was kann weg?

Anders gefragt: Kann denn da was weg?

Es geht um meine kleine persönliche mediale Welt, die sich in rund zwanzig Jahren rund um Amazon herum aufgebaut hat. Fast ein bisschen unbemerkt.

Amazon Prime

Angefangen hatte es mit meiner Entscheidung, zahlender Prime-Kunde zu werden. Das war wohl 2005, soweit ich mich erinnere. In dieser Zeit war Amazon für mich noch überwiegend Bücher, CD- und DVD-Lieferant. Und ich bestellte viele Bücher, CDs und DVDs, später auch BDs. Fast alle Artikel dieser Art waren seinerzeit als »Prime-Artikel« erhältlich, was in aller Regel bedeutete, dass ich sie spätestens zwei Tage nach meiner Bestellung im Briefkasten liegen hatte. Das war mir den Prime-Kundenaufschlag wert, es war eine gute Zeit.

Die Veränderungen begannen schleichend, und den Begriff für die absichtsvolle Systematik dahinter gab es noch nicht. (Er sei hier schon verraten: Enshittification)

Die gute Zeit

Vorerst war es, wie gesagt, eine gute Zeit. Die Jahre um 2005 bis 2015 bildeten die Hochblüte meiner persönlichen medialen Umwelt. Ich schaute vier bis sechs Kinofilme im Monat – überwiegend per Leih-DVD, es war die beginnende Endphase der großen Zeit der Videotheken, ich war ständiger Gast bei bis zu acht TV-Serien (meist auf SAT1, PRO7, VOX, Kabel1, RTL), meine persönliche Filmsammlung umfasste rund 280 Titel, die meisten auf DVD, aber auch noch »Altlasten« auf VHS.

Hinzu kamen eine Vinyl- und CD-Sammlung, die bis etwa 2015 auf knapp 1000 Titel angewachsen war, sowie eine »Bibliothek« von rund 900 Büchern. Auch hierunter viele »Altlasten« aus lange zurückliegenden Studienzeiten.

Der Bruch

Irgendwann im Verlauf 2015 machte ich einen großen Schnitt. Ich sah ein, dass ich bis zu zwei Dutzend aufgezeichnete Serienfolgen gar nicht mehr würde sehen können, neben einem wachsenden Stapel gekaufter Film-DVDs. Dazu noch Sachbücher und Romane lesen — wann denn bloß?

Ich schaffte den HD/DVD-Recorder ab, VHS hatte ich schon »beseitigt«, ich nahm nichts mehr auf. Was ich fortan verpasste, war halt weg. Jahre später würden die ÖRR-Mediatheken die Lücken teilweise füllen, falls nötig.

Ich beschloss, keinen weiteren Bücherregal-Platz zu schaffen, stattdessen mich von Bücher-Altlasten zu befreien und neue Bücher, wo möglich, nur noch als eBooks anzuschaffen.

Die neue Zeit

Bis nach der Corona-Zeit hatte ich meine Bücherregale bis auf einen erklecklichen Rest von rund 25 Büchern geleert (und in diesen Jahren öffentliche Bücherschränke gefüllt), meine CD-Sammlung habe ich seitdem zeitlich parallel auf heute rund 630 Titel reduziert und auf Festplatte/SSD umgelagert. Ich streame im lokalen Netz. Meine Filmsammlung schließlich umfasst noch etwa 45 verbliebene »Lieblingsfilme«.

Medienkonsum im Wandel

2023 kam der erste Smart-TV ins Haus, Juli 2024 entfiel das Nebenkostenprivileg. Ich stellte fest, dass ich gar keinen neuen Kabelanschluss mehr benötige. Fernsehen konnte ich nämlich ab sofort und zukünftig via IP-TV, und neben den beiden ÖRR-Mediatheken per App stünde mir ja als Prime-Kunde Amazon Prime Video zur Verfügung.

Fernsehen bestand ab sofort für mich aus ÖRR per Mediatheken-Apps plus dem Film- und Serienangebot von Amazon via Fire-TV-Stick. Das sollte doch ausreichen.

Neue Zeit – schlechte Zeit?

Im Verlauf dieser Jahre war mir allerdings aufgefallen, dass vom einstigen Vorteil, Prime-Kunde zu sein, nicht mehr viel übrig geblieben war, von Prime Video und etwas verbilligtem Amazon Music Unlimited einmal abgesehen. Das geht auch auf meine eigene Kappe, denn:

Was Bücher angeht, kaufe ich schon lange ausschließlich online im .epub-Format beim einschlägigen lokalen Buchhandel – unter weitestmöglichem Verzicht auf Amazons proprietären Kindle-Quatsch.

CDs kaufe ich per Download bei Qobuz, Filme kaufe ich so gut wie gar keine mehr.

Das waren tatsächlich die angestammten Kategorien von Prime-Artikeln in der »guten alten« Amazon-Zeit. Was ist geblieben?

Amazon ist längst ein Sammelsurium von Allerweltsartikeln aller Art und Herkunft. Überwuchert von Marketplace-Schrott mit algorithmusgenerierten Pseudo-Markennamen. Und je mehr Marketplace und je schrottiger die sogenannten Marken, desto länger sind in der Regel die Lieferzeiten. Prime ist lange vorbei.

Sehr vieles von Amazon-Warenangeboten unterscheidet sich inzwischen kaum noch von Shein- Temu- und Alibaba-Gerümpel. Ostasien-Schrott aus namenlosen Giftküchen. Auch bei Textilien ist das Angebot inzwischen dabei, ins Unterirdische abzusaufen. Mit Lieferfristen, die längst in Wochen gemessen werden.

Niedergang im Gleichklang

Auf demselben Enshittification-Pfad befindet sich inzwischen Prime Video. Das »in Prime enthalten«-Programm wird immer weiter zusammengeschrumpft bei gleichzeitig wachsender Werbevermüllung. Mehr und mehr Programm wird in die Vermiet- und Verkaufsecke verschoben, mehr und mehr Serien werden von Prime zu irgendwelchen (Blabla+) Kommerz-Streaminganbietern geschoben, die inzwischen wie faule Pilze aus dem Boden schießen. Die ihrerseits im Jahresrhythmus zwischen anderen XYZ+ Buden hin und her verschachert werden.

Das alles erscheint mir zunehmend wie eine große weltweite Kommerz-Verramsche – und was jeweils verramscht wird, interessiert eigentlich niemanden mehr. Niemand steht mehr für irgendetwas, es herrscht ein globaler Jahrmarkt totaler substanzloser Beliebigkeit.

Was also tun?

Im ersten Schritt Amazon Prime kündigen? Ich meine, es sind inzwischen nicht mehr allzu viele Filme und Serien, auf die ich verzichten müsste. Und es würde mir inzwischen leichter fallen als noch vor zehn Jahren.

Amazon Music Unlimited behalten, es würde etwas teurer werden?

Im Moment hielte ich das wohl für noch vertretbar, aber wie lange dauert es noch, bis auch diese Plattform verramscht, werbevermüllt und vergammelt wird?

Ich bin jedenfalls ins Überlegen gekommen, ob ich diesen ganzen immer wertloser werdenden Schrott noch länger brauche. Ich meine, irgendwann verliere ich auch einfach mal die Lust daran…


Apropos Schrott und Zuscheißen:

Lese gerade, dass Apple wohl inzwischen auf denselben Trichter gekommen ist wie Google mit seinen »Maps«, dass man nämlich genauso wie der große Android-Konkurrent seine eigene Kartenplattform mit Werbung zukacken könnte.

Zum Glück brauche ich weder die eine noch die andere Kack… Kartenplattform…

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