Zu jung- oder alt genug?

Die anyonyme Altersverifikation für Plattformen im Internet scheint tatsächlich zu kommen. Entsprechende Apps für Mobil- wie für Desktopsysteme sind wohl schon bald reif zur Veröffentlichung. Österreich ist hier vorangegangen.

Ziemlich klar dürfte sein, dass echte Altersverifikation auf Webseiten nicht wirklich gescheit zu realisieren ist, ohne persönliche Daten mitzuliefern.

Sinn macht m.E. tatsächlich nur ein System, dass einerseits plattformunabhängig ist UND gleichzeitig keine Nutzerdaten überträgt. Genau solch ein Zero-Knowledge-Proof-System wird also eingeführt werden.

Das macht auch das administrative Regulieren des altersdifferenzierten Palattformzugangs für Länder einfacher. Statt von Plattformbetreibern zu verlangen, ein Altersverifikationssystem einzusetzen, worauf diese dann irgendetwas völlig Witzloses – weil untauglich – zusammenschustern (wie bisher), setzt man länderübergreifend ein plattformunabhängiges Verfahren ein, an das die Plattformen gebunden werden. Basta. Ohne verwertbare zusätzliche persönliche Nutzerdaten.

Interessant ist die kritische Diskussion um Teilhabe und freie Mediennutzung wie Freiheitsrechte, die zu dieser Thematik läuft. Dahinter steht wesentlich eine libertäre Sichtweise auf Individuum, Staat und Gesellschaft mit dem vorgeblich aufklärerischen Verweis auf das notwendige Desiderat Bildung zur »Medienkompetenz« – die zwar kaum stattfindet, was aber nichts ausmacht, denn Hauptsache, dass leidige Thema ist vom Tisch. Aber darüber will ich gar keine Diskussion vom Zaun brechen, außer vielleicht der Anmerkung, dass libertär geprägte Gesellschaften (wahrscheinlich prinzipbedingt und willkommenerweise) dazu neigen, einigen wenigen mit geeigneten Befugnissen und/oder ökonomischen Begünstigungen alle Freiheiten unbeschränkt zu gewähren, und zwar auf Kosten einer übergroßen Vielzahl an Opfern, denen am Ende bloß die Freiheit des gelenkten Konsums bleibt.

Ein anderer Punkt noch:

Ich entstamme ja doch einer Zeit, in der die geforderte Bedingung der »Teilhabe« (von Freiheiten ganz abgesehen) gar nicht so arg diskutiert wurde angesichts des Verbots, im minderjährigen Alter Medien diverser Art (vor allem Filme, wissenschon…) konsumieren zu dürfen. Da gab es einfach FSK, Zensur, Verbote und Beschlagnahmungen und Ende der Debatte. Da reichte eine gewisse Vulgär-Wirkungspsychologie und der Impetus, Kinder und Jugend vor »Schund« schützen zu wollen, völlig aus.

Heute heißt der Zugang zum übergriffigen Schund der »Social Media«-Plattformen eben (wünschenswerte) »Teilhabe«.

Ich bin jedenfalls gespannt, was da kommt und wie es funktionieren wird…

Update 24.04.26

Ähh, eher gar nicht, es scheint sich wohl um ein typisches behördlich initiiertes eiliges Stück Software zu handeln, dass enorm viel Geld gekostet hat, voller Bugs steckt und zudem hochgradig unsicher zu sein scheint.

Thema verfehlt, setzen, Sechs!

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