War mein Opa ein Nazi?

Wird zur Zeit oft gefragt. Stellvertretend hier.

Dazu zweierlei Antwort:

  1. Welcher? (Ich hatte drei)
  2. Nein. (Für alle drei)

Es gibt seit kurzem wohl die Möglichkeit, im Bundesarchiv Einblick in die Mitgliederkartei der NSDAP zu erhalten, d.h. darin nach den Namenseinträgen von Familienmitgliedern zu suchen. Im Aussernet gibt’s Links dazu.

Ich brauche das zum Glück nicht, denn ich kannte meine drei Opas. Sie waren keine Nazis und sie waren nicht »in der Partei«. Das war übrigens nicht gleichbedeutend, denn es gab wohl für viele Menschen dieser Zeit Zwänge, Parteimitglied zu sein, auch wenn man die Gesinnung nicht teilte.

Wahrscheinlich war die NSDAP (vielleicht auch noch die SED) die einzige Partei der deutschen Geschichte bis heute, bei der es diese Art »Schizophrenie« gab. Heute darf man m.E. ganz sicher davon ausgehen, dass Parteimitglieder die durch eine Partei vorgegebene Gesinnung umfänglich teilen. Das betrifft das Parteibuch, das öffentlich Parteiprogramm und diejenigen übereingekommenen Dokumente, die man aus Gründen lieber in der verschlossenen Schublade behält. Vorläufig jedenfalls noch.

Die Opas

Der älteste der drei, der väterliche, war 1933 37 Jahre alt. Der mütterliche war wenig jünger, ich glaube so Jahrgang 1902, der Stiefopa war Jahrgang 1918, bei Kriegsende 27 Jahre alt und während des Krieges einfacher Soldat in Frankreich.

Ich hatte das große Glück, alle drei gekannt zu haben.

Mein väterlicher Opa war Soldat in beiden Weltkriegen. Er hat zur Zeit meines Heranwachsens in den späten 60er- und den 70er Jahren nicht arg viel über diese Zeiten gesprochen. Und ich habe nie insistiert.

Gegenüber seinen eigenen drei Kindern, meinem Onkel, meiner Tante und meinem Vater, war er allerdings in der Nachkriegszeit immer sehr offen gewesen. Und daher weiß ich ziemlich viel über seine jüngeren Jahre. Auch über seinen Vater, meinen Urgroßvater, den ich selbst nicht erleben konnte.

Bei den anderen beiden Opas war es ähnlich, meinen »echten« mütterlichen Opa kannte ich nicht so sehr, aber gut genug, und mein Stiefopa sprach in meinen jüngeren Jahren durchaus und dann bildreich über seine Lebenswelt im Frankfurt des »Dritten Reichs« und seine Soldatenzeit in Frankreich, in der eifrig und privat mit Franzosen »fraternisiert« wurde.

Jedenfalls kannte ich alle drei gut genug, um sicher zu wissen, dass jeder von ihnen, wenn er denn überhaupt Mitglied einer Partei geworden wäre, der SPD beigetreten wäre.

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