Gewählt. Tagesordnung.

Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. Septmber 2026 hat wohl gesessen. Massive Wahlbeteiligung von 77,8 % aller Wahlberechtigten hat zu einem aus nahezu jedem denkbaren Blickwinkel bemerkenswerten Ergebnis geführt bzw. beigetragen.

Von allen abgegebenen Stimmen erlangt die AFD 43,8 %, 49,3 % erlangen die anderen fünf Parteien, die ebenfalls in den Landtag einziehen werden.

Die Verteilung der insgesamt 83 Landtagssitze sieht demgemäß so aus:

  • AFD: 39 Sitze
  • alle anderen: 44 Sitze

Oder, nimmt man das BSW als einzeln heraus, da im Moment vollig unklar ist, wo und wofür es in möglichen Konstellationen steht:

  • AFD: 39 Sitze
  • vier andere: 39 Sitze
  • BSW: 5 Sitze

So weit (arithmetisch), so schlecht.

Ich habe mich in den drei Tagen seitdem nicht zum Thema geäußert, aber in vielen Blogs dazu gelesen. Ich halte mich an die Erkenntnis: Zum Thema wurde praktisch schon alles Nennenswerte gesagt – nur noch nicht von jedem. Wer mich kennt und etwa weiß, wie ich ticke, weiß auch einzuschätzen, was ich zur Wahl, respektive zu den politischen Ereignissen und Entwicklungen (im weitesten Sinn), die zu diesem Ergebnis geführt haben, denke.

An einer Äußerung bin ich jedoch heute früh hängengeblieben, weil ich sie für bemerkens- und bedenkenswert halte. In seiner sehr erhellenden Umschau unter uns Bloggern zum Thema hat Stefan Pfeiffer auf den sehr persönlichen Artikel von Lorenzo hingewiesen, wo dieser schreibt:

Bei aller Angst und Enttäuschung dürfen wir jetzt aber nicht resignieren. 43,8 Prozent bedeuten schließlich auch, dass 56,2 Prozent die AfD nicht gewählt haben. Das ist ein wichtiger Punkt.

Recht hat er! Allerdings ist mir nicht schon beim Lesen von Lorenzos Artikel am Montag etwas dazu eingefallen, sondern erst vorhin beim Lesen dieser Passage in Stefans Blooger-Umschau. (So viel zum aufmerksamen Lesen…)

56,2 % aller Wähler haben Parteien gewählt, die offenkundig nicht in der Lage waren, und vielleicht zum Teil auch gar nicht willens, sich zusammenzuraufen, um die Probleme, die den Menschen auf den Nägeln brennen, anzugehen, zu lösen oder auch nur glaubwürdig zu vermitteln, wo Lösungen perspektivisch anzugehen sein könnten. Dabei spielt es gar keine entscheidende Rolle, ob wahrgenommene Probleme nur gefühlt oder per Propagande eingetrichtert sind. So etwas aufzuklären ist Sache der politischen Kommunikation.

56,2 % der Wähler haben Parteien gewählt, denen inzwischen mehr als 40 % der Menschen, aller Wähler nämlich, weggelaufen sind. Der größte Teil davon den beiden ehemaligen »Volksparteien«.

56,2 % aller Wähler haben Parteien gewählt, die rechnerisch über 44 Mandate gegenüber 39 Mandaten der AFD verfügen, die sie, so fürchte ich ganz nüchtern, nicht nutzen werden, um gemeinsam eine/n Ministerpräsidenten/in zu wählen, um sich anschließend dazu anzuschicken, gemeinsam zum Wohl des Bundeslandes zu regieren – und den Menschen im Land eine Perspektive vermitteln, wie eine prosperierende Zukunft aussehen kann.

Nein, wenn ich die paar Äußerungen von Klingbeil, Merz u.a. Führungspersonal der Bundesregierung der letzten Tage Revue passieren lasse, ist das mehr oder minder abgesprochene Narrativ zumindest auf Bundesebene das, dass man die eingeschlagenen Wege unbeirrt weitergehen wird, weil sie objektiv die Richtigen und deswegen alternativlos sind, und dass die Bürger entweder die Wichtig- und Richtigkeit der Reformen nicht richtig verstanden habe, oder dass man sie ihnen nicht auf die geeignete Weise »emotional« vermittelt hat.

Jedenfalls wird die AFD jetzt und in Zukunft inhaltlich gestellt, und eine absolute Mehrheit wird sie »in diesem Land niemals erreichen« (Merz). Wie das aussehen wird, wenn Friedrich Merz den Bürgern etwas emotional vermitteln will, kann ich mir leider, will ich mir aber gar nicht vorstellen.

Und jetzt… zur Tagesordnung.

Sorry Leute, aber mehr als ein hoffnungsloses Achselzucken fällt mir zur Sache im Moment nicht mehr ein.

Kommentare

Ein Kommentar zu „Gewählt. Tagesordnung.“

  1. Avatar von Peter Lohren

    Merz kann nicht verstehen, wie Bürgerinnen und Bürger in Sorge sind, ihre Mieten nicht mehr zahlen zu können. Er versteht nicht, wie dieselben Bürger versuchen angesichts der horrenden Spritpreise mit ihrem 15 Jahre alten Auto als Pendler zur Arbeit zu kommen. Er versteht nicht, warum diese Leute Samstags die Prospekte für Sonderangebote durchforsten, weil sie die Lebensmittel kaum noch bezahlen können.
    Merz kommt hier aus der Nachbarschaft, er ist im »Großbürgertum« mit goldenem Löffel im Mund groß geworden. Er war Lobbyist des größten Kapitalverwalters der Welt. Wer mehr über Merz wissen will, muss nur sein Buch lesen: »Mehr Kapitalismus wagen« ist und bleibt seine Leitlinie, auch als Bundeskanzler. Das machen die Wählerinnen und Wähler nicht mit; deshalb der Denkzettel.

    Mit jedem Tag des Herrn Merz im Amt und dem »weiter so«, den Sozialstaat weiter abzubauen, die Renten und Löhne weiter zu kürzen, stärkt er die AFD.

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