Weiter so, wir sind auf dem einzig richtigen Weg

Das scheint das aktuelle Narrativ zu sein, auf das sich die Führungsebene(n) der CDU verständigt haben. Die eingeschlagenen bzw. angekündigten Reformen sind alternativlos, die Politik der CDU war und ist die einzig erkennbar vernünftige, Fehler hat man allenfalls in der Kommunikation gemacht. Die Bürger haben sich offensichtlich nicht mitgenommen gefühlt, weil man ihnen die objektiven Notwendigkeiten, die man als Bundesregierung erkannt und in Angriff genommen hat, nicht (emotional) richtig erklärt hat. Das konnte man am Ende leider auch gar nicht mehr, weil die eigene Partei (CDU) in den Wahlkämpfen zwischen den Extremisten und auch der SPD aufgerieben wurde.

Mein Fazit aus praktisch allen Äußerungen von CDU-Politikern seit der Sachsen-Anhalt-Wahl ist, dass ich da eine unverschuldet von desaströsen Umständen gebeutelte Partei sehe, die mit dem zur Zeit bestmöglich geeigneten Bundeskanzler selbstverständlich alles richtig gemacht hat. Die alle drängenden Probleme mit alternativlosen, weil objektiv richtigen Maßnahmen angeht, dabei aber ständig auf mangelndes Verständnis stößt.

Dazu noch die beharrlichen Störungen von den extremistischen Rändern der Gesellschaft…

Also greift der Tenor um sich, dass die Bürger emotionaler angesprochen und mitgenommen werden müssen. Es scheint mir aber so, dass nicht nur ich gerne auf solchartige angedrohten Maßnahmen verzichten würde. Ich meine, bisher hat das Top-Führungspersonal vor allem, aber nicht nur der Unionsparteien die Menschen im Land emotional mitgen… ähh, angegangen, abgekanzelt, beleidigt, für dumm und unverständig erklärt und arrogant abgefertigt.

Zumindest ich persönlich möchte mir gerne weitere »Emotionalität« des Bundeskanzlers ersparen, der Nachweis mindestens seiner umfassenden Empathiefreiheit ist längst erbracht. Es ist diese lebenslang völlig verinnerlichte Empathiefreiheit einer stets wohlversorgt gewesenen, reich begüterten Minderheit, die sich die Kaltherzigkeit gegenüber weniger vorteilhaft begüterten Menschen schon immer schlicht abschätzig lächelnd leisten konnte.

Mir jedenfalls graut vor den nächsten Wahlen im kommenden Frühjahr, weil ich sicher befürchte, dass sich bis dahin nichts an der desaströsen Gesamtlage ändern wird, kontinuierlich begleitet vom beharrlichen jetzt erst recht – weiter so, unsere Politik ist alternativlos.

Allerdings habe ich gestern kurz, am Rande, etwas vernommen, das fast einem kleinen Silberstreif am Horizont ähneln könnte: dass nämlich die in Mecklenburg-Vorpommern unter die 5-Prozent-Hürde abgestürzte CDU bei den jungen Wählern gerade so eben um die 2 Prozent Stimmen erreicht hat. Möglicherweise kündigt sich da so etwas wie ein Epochenwandel an, der dazu führen könnte, dass sich die Partei zukünftig lediglich aus ihrem eigenen Nachwuchs befruchten könnte und in der breiten Bevölkerungs-Öffentlichkeit mehr und mehr aus dem Fokus verschwindet. Warum ich das so sehe und tatsächlich für gut befände, geht aus einem früheren Artikel hier im Blog hervor.


Ich wollte eigentlich gar nichts zu den denkwürdigen, aber erwartbaren Politik-Debakeln schreiben, aber Thomas Gigolds Kommentar von gestern hat mich sozusagen angestoßen, es doch zu tun. Danke dafür.

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