AWS heißt: Algorithmischer Werbe-Scheißdreck

Und was ist Algorithmischer Werbe-Scheißdreck?

Das:

Du bestellst bei Amazon, sagen wir mal: Sirup für deinen Wassersprudler.

Du schaust zwei Tage später eingeloggt nach dem Lieferstatus.

Du siehst direkt unterhalb desselben eine Meldung von Amazon, die da lautet:

»Produkte, die mit Artikeln in Ihrer Sendung verbunden sind:«

Und es folgt die Anpreisung einer Männer-Gesichtscreme mit Kollagen und anderem Mist, eines elektrischen Fondue-Sets und – jetzt kommt’s – Katzenfutter nass in Gelee, mit Thunfisch.

Nach allen Maßstäben von Verstand und angewandtem Gehirn sind diese drei Produkte lediglich in einem einzigen winzigen Punkt mit meiner Sendung verbunden: sie existieren rein zufällig gleichzeitig auf demselben Planeten.

Nichts in meiner inzwischen achtzehnjährigen Amazon-Bestellhistorie würde einem klug entwickelten Algorithmus, der wirklich dem Kunden diente, jemals derartigen Unsinn als möglicherweise interessante Produkte im Zusammenhang mit meiner Bestellung (und meiner Bestellhistorie) erscheinen lassen.

Tatsächlich ist es so, dass solche Algorithmen in Bezug auf die Kundenwünsche und -bedürfnisse so dumm sind wie… Schifferscheiße.

Der falsche Schluss!

Aber das ist die falsche Schlussfolgerung. Die Algorithmen, die solchen Stuss liefern, sind tatsächlich sehr schlau. Allerdings dienen sie ausschließlich Amazon, denn es geht gar nicht darum, was du als Kunde willst oder suchst – es geht darum, was Amazon dir verkaufen will.

Anderen vor mir ist längst aufgefallen, dass auch die Artikelsuche bei Amazon inzwischen überwiegend Müll zutage fördert. Genauer: Deine sporadischen zutreffenden Suchergebnisse werden eingebettet in einen Schwall von »gesponsorten« Artikeln, die lediglich zufällig zu deinen Suchkriterien passen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das ist keine Suchfunktion mehr, sondern eine Auffindefunktion für Verkaufsofferten. Dahinter steckt ursächlich wohl der Kampf Amazons gegen seine Marketplace-Anbieter.

Es wirkt manchmal so, als ob Amazon seine auf der Plattform agierende Konkurrenz herausdrängen will, indem man uns Kunden geradezu mit sogenannten »gesponsorten« Artikeln zuscheißt. Wir Kunden sind, nach Erreichen der Marktdominanz, nicht mehr oberste Priorität bei Amazon.

Cory Doctorow hat ausführlich und sehr erhellend diese seltsame, aber offenbar konsequente Entwicklung der gesamten kommerziellen Internetwelt, vor allem der Großen im Teich, beschrieben und mit einem unnachahmlich treffenden und schönen Begriff bezeichnet:

Schwierig zu übersetzen, vielleicht: »ZuScheißeMachen« oder »ZuScheißeWerdung«. Ich würde es eingängiger mit »Vergammelung« bezeichnen. Cory Doctorow bestimmt dieses Phänomen als dreistufigen Entwicklungsprozess von Unternehmen, der in seiner Konsequenz (und vierten Stufe) meist zuverlässig zum Ende des Konzerns führt.

Er beschreibt das viel präziser und erhellender als ich es könnte, und zwar in zahlreichen Beiträgen auf seiner o.g. Plattform. Sucht dort einfach nach diesem Begriff – es macht gleichermaßen Spaß, wie es wütend macht, was er dort fallweise erörtert.

Zu Amazon selbst gibt es diesbezüglich ein paar weitere Fundstellen zur selben Thematik. Hintergrund sind Ermittlungen der US-Handelsaufsicht sufgrund von zunehmenden Beschwerden (u.a. von Marktkonkurrenten):

Amazon-Suche vermüllt

Suchergebnisse bewusst so schlecht

Und nun?

Ich jedenfalls werde ab sofort vermehrt nach alternativen Anbietern suchen. In vielen Marktsegmenten gibt es solche nämlich, und inzwischen bieten sie meist vergleichbare Lieferbedingungen. Oft sind sie auch preislich nicht im Nachteil.

Anhang: Amazon-Suche

Als Beispiel ein Ausschnitt aus einer Amazon-Suche, die ich neulich ‚in echt‘ durchgeführt habe auf der Suche nach einem bestimmten TV-Gerät. Die sieben Bilder zeigen die Abfolge des ein Stück weit heruntergerollten »Suchergebnisses«.

Ich nenne so etwas:


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