Huch, eine Blogparade? Eine vom #SchreibenÜberDasSchreiben gar? Ist diese Idee von Anna Koschinski nicht irgendwie so ‚Nullerjahre‘? So Selbstvergewisserungskram aus Zeiten der Bloggerszene?

Aber Selbige scheint ja inzwischen wieder aufzublühen, sozusagen als Gegenpol zum schnellen, mehr gedankenlosen Hin- und Hergetippe in den Microblogging-Diensten aller Art. Glauben mindestens der Henning Uhle und ein paar andere Blogger. Der Horst und die Claudia – und ja, ich auch. Die, wie ich, kürzlich alle ihr jeweiliges Jubiläum gefeiert haben.

Vom Schreiben und Bloggen

Geziemend ontologisch heißt das: Ich blogge, also schreibe ich. So herum stimmt’s jedenfalls für mich, anders herum folgt das eine nicht logisch aus dem anderen.

Ich blogge, weil ich es kann. Ich schreibe, weil ich es kann. Ich kann auch die Großform – ich könnte Fachbücher schreiben. Romane könnte ich nicht, dazu fehlt mir nicht die erzählerische Fantasie, aber die Selbstbeherrschung und -kontrolle, so ein Projekt strukturiert »durchzuziehen«.

Allerdings: Schreiben ganz allgemein hilft mir – hat mir immer geholfen – Dinge, Sachverhalte, klarer zu machen. Was ich schreibe, verstehe ich. Ok, nicht immer, aber: Über etwas zu schreiben, lässt die Fragen, die ich zu einem Thema habe, klarer hervortreten. Schreiben ist auch ein Weg.

Ich bin kein Journalist, deswegen berichte ich nicht. Ich recherchiere das, was ich unbedingt für erforderlich halte, ich teile mit, erzähle, merke an.

Ich habe Überzeugungen, Standpunkte und Meinungen. Davon erzähle ich, davon blogge und schreibe ich.

Weil es mir Spaß macht, und weil es mir manchmal wichtig oder gar notwendig erscheint. Meinetwegen oft auch nur des Erzählens wert. Wer liest, was ich schreibe, macht irgendetwas daraus. Was auch immer – das alleine bedeutet mir schon etwas.

Wenn es vermessen wäre, zu vermuten, zu hoffen, dass ich mit meinen Beiträgen die Welt ein bisschen besser machen kann — ich mache sie jedenfalls nicht schlechter. Das weiß ich sicher.

Ein Fels unter vielen

Wenn man Blogs als Felsen in der ständigen Informations-Brandung des Internets an die Strände der Welt bezeichnen mag, dann mag es so sein, dass jedes Bloggerlein da draußen seinen ganz persönlichen Felsen besi(e)tzt. Mir ist jedenfalls danach und ich finde das großartig. Und zumindest potenziell sind wir alle vernetzt, und das gänzlich unaufgeregt.

Auf meinem kleinen Felsen sitzend kann ich schauen, nachdenken und schreiben, ohne Timelines, Teilen, Follower und mögliche Likes berücksichtigen zu müssen. Mein kreativer Antrieb speist sich aus mir selbst. Gelegentliche Kommentare sind zusätzlicher Treibstoff.

Fragen, Fragen…

Anne Koschinski formuliert einige hilfreiche Fragen. Warum nicht Anregungen aufgreifen?

Was schreibe ich?

Texte im Blog und Anmerkungen auf Mastodon. Oft vernetze ich meine Blogartikel auf meinem Mastodon-Account. Gelegentlich Fotos.

Hat sich mein Schreiben über die Zeit verändert?

Ich denke, eher nicht. Mein Schreibstil dürfte sich irgendwann in den frühen Neunzigern, lange vor dem Bloggen, verfestigt haben, zurückgehend auf meine letzten schriftlichen Arbeiten an der Uni.

Bestand hat seitdem auf jeden Fall meine Neigung, nicht zu feilen. Was ich schreibe, steht so, wie ich es schreibe. Schon in meiner Gymnasialzeit habe ich in Klassen- bzw. Kursarbeiten »vom Fleck weg« geschrieben. Also: So mehr oder minder strukturiert, wie ich denke, schreibe ich auch. Mögen meine Texte dadurch manchmal ohne Gesamtschliff, unabgerundet wirken, dann sei das so. Mir ist das recht so.

Gibt es Vorbilder oder Lieblings-Autoren?

Nicht in der Blogger-Welt. Aber in der Literaturwelt. Ein Vorbild nicht im Sinne von etwas, dass ich – als wie fernes Ziel auch immer – erreichen möchte (wie vermessen könnte ich sein?), sondern als der ferne und weite, aber sonnenklare Horizont dessen, was Schreiben sein kann: Julio Cortázar

Was ist dein liebster Text und warum?

Ich beziehe diese Frage jetzt auf meine Texte in meinem Blog, sie kann ja auch anders gemeint sein.

In diesem Blog seit 2014 dürfte es dieser Artikel über mögliche öffentliche Soziale Netzwerke sein. Ich fand einfach die Fragestellung, die Anregung und die verbundene Problematik hochinteressant. Das regte mich wirklich zum Nachdenken an, zur Beschau meiner eigenen Standpunkte. Folgerichtig blieb der Themenkomplex für mich im Fluss. Einerseits habe ich meine Überzeugungen und Standpunkte formuliert, andererseits bleiben viele Fragen offen, im steten Diskurs. Und dieser Text wollte geradezu lang werden…

Ich liebe das.

Was möchtest du gern mal schreiben?

Wenn ich könnte wie ich wünschte – und wenn ich dann auch noch Zeit und Muße dazu fände:

Dann würde ich gerne eine moderne, für heute zeitgemäß formulierte Fassung schreiben von Immanuel Kants Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?

Die Fragestellung »Was ist Aufklärung?« übrigens wurde in der Zeitung Berlinische Monatsschrift 1784 formuliert von Pfarrer Johann Friedrch Zöllner. In gewissem Sinn könnte man diesen Aufruf als historisch erste Blogparade bezeichnen.

Was ist die größte Herausforderung beim Schreiben?

Leicht dagegen ist immer der letzte Satz:



Kommentare

Eine Antwort zu „Schreiben.“

  1. Allerdings: Schreiben ganz allgemein hilft mir – hat mir immer geholfen – Dinge, Sachverhalte, klarer zu machen. Was ich schreibe, verstehe ich. Ok, nicht immer, aber: Über etwas zu schreiben, lässt die Fragen, die ich zu einem Thema habe, klarer hervortreten. Schreiben ist auch ein Weg.

    So ist es auch für mich. Dass ich meine Texte nicht immer verstehe, tritt insbesondere dann auf, wenn ich nach einer ganzen Weile ältere Texte noch einmal lese. Dann denke ich manchmal: Herrje. Im Allgemeinen hilft mir das Schreiben dabei, mit den komplexen und mitunter schwierig zu durchschauenden Sachverhalten besser klarzukommen. Es ist eine Art Therapie. Das habe ich allerdings erst mit einiger Verspätung überhaupt bemerkt.

    Schöner Text, Boris. Danke dafür.

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